Wie Ebola sich verbreitet: Übertragungswege erklärt
Eine wissenschaftlich fundierte Erklärung, wie die Ebola-Viruskrankheit zwischen Menschen übertragen wird – einschließlich verbreiteter Missverständnisse, Risikofaktoren und was das Virus NICHT überträgt.
Die Grundlagen der Ebola-Übertragung
Ebola ist nicht luftübertragen. Anders als Influenza oder COVID-19 verbreitet sich Ebola unter normalen Umständen nicht durch die Luft. Diese grundlegende Tatsache erklärt, warum Ebola-Ausbrüche trotz extremer Tödlichkeit geografisch begrenzt und eindämmbar sind.
Ebola verbreitet sich durch direkten Kontakt mit:
- Blut
- Erbrochenes
- Stuhl
- Schweiß
- Urin
- Sperma
- Muttermilch
…einer symptomatischen oder verstorbenen Person (oder einem Tier), die mit dem Virus infiziert ist.
Die Voraussetzung: Verletzte Haut oder Schleimhäute
Das Virus muss durch eine Eintrittspforte in den Körper gelangen:
- Verletzte oder beschädigte Haut
- Augen, Nase oder Mund (Schleimhäute)
- Nadelstichverletzungen (Gesundheitspersonal)
Intakte, unverletzte Haut bietet eine vollständige Barriere gegen Infektion. Deshalb ist PSA – insbesondere Handschuhe und Gesichtsschutz – so wirksam.
Wer hat das höchste Risiko?
- Familienpfleger, die einem symptomatischen Patienten zu Hause pflegen (direkter Kontakt mit Körperflüssigkeiten)
- Gesundheitspersonal ohne angemessene PSA
- Bestattungspersonal und Trauernde bei traditionellen Beerdigungszeremonien (Leichen bleiben hochinfektiös)
- Laborpersonal, das Proben bearbeitet
Das Problem der Beerdigungsübertragung
Traditionelle Beerdigungspraktiken, die das Waschen, Berühren und Trauern über den Körper eines Verstorbenen beinhalten, waren ein wesentlicher Treiber von Ebola-Ausbrüchen – insbesondere bei der West-Afrika-Epidemie 2014–2016. Bis zu 20 % der Fälle in einigen Ausbrüchen wurden mit Beerdigungsexposition in Verbindung gebracht.
Sichere und würdevolle Bestattungs (SDB)-Teams – von WHO und MSF ausgebildet – sind eine der wirksamsten Ausbruchskontrollmaßnahmen.
Was Ebola NICHT überträgt
- Zufälliger Kontakt: Händeschütteln mit einer gesunden Person, neben ihr sitzen
- Luft: Ebola verbreitet sich nicht durch Atmen, Husten oder Niesen (außer bei seltenen Aerosolverfahren im Gesundheitswesen)
- Wasser oder Lebensmittel: Standardwasser und -lebensmittel übertragen keine EVD
- Mücken oder Insekten: Ebola ist nicht vektorübertragen
Sexuelle Übertragung
Ebola-RNA wurde in Sperma bis zu 500+ Tage nach der klinischen Genesung bei einigen männlichen Überlebenden nachgewiesen. Die sexuelle Übertragung von genesenen Männern auf Partner wurde dokumentiert. Die WHO empfiehlt, mindestens 12 Monate nach der Genesung Kondome zu verwenden oder auf Geschlechtsverkehr zu verzichten, oder bis zwei Spermatests negativ sind.
Die Regel der Inkubationszeit
Eine Person in der Inkubationszeit (2–21 Tage) ist NICHT ansteckend. Die Ansteckungsfähigkeit beginnt erst, wenn Symptome auftreten. Dies ist die wissenschaftliche Grundlage für den Kontaktnachverfolgungs- und Überwachungsansatz bei der Ausbruchskontrolle.
Zusammenfassung
| Übertragungsweg | Risiko |
|---|---|
| Direkter Kontakt mit Körperflüssigkeiten des symptomatischen Patienten | Hoch |
| Traditionelle Beerdigung ohne PSA | Sehr hoch |
| Nadelstichverletzung (Gesundheitswesen) | Hoch |
| Sexueller Kontakt (Genesungszeit) | Mittel |
| Zufälliger Kontakt mit gesunder Person | Keines |
| Luft/Wasser/Lebensmittel/Insekten | Keines |