Ebola-Prävention für Gesundheitspersonal: PSA, IPC und sichere Verfahren
Ein umfassender Leitfaden zu Infektionsschutz- und Kontrollmaßnahmen (IPC) für Gesundheitspersonal bei Ebola-Ausbrüchen — PSA-Auswahl, Anziehen/Ablegen und Hochrisikoverfahren.
Warum IPC bei Ebola einzigartig anspruchsvoll ist
Infektionsschutz und -kontrolle (IPC) bei Ebola übersteigen bei weitem die Standardkrankenhausinfektionskontrolle. Die Kombination aus hoher Pathogenität, Übertragung durch Flüssigkeitskontakt und der extremen Umgebung des Tragens voller PSA macht Ebola-IPC zu einer spezialisierten Disziplin mit langen Trainingsanforderungen.
Die PSA-Hierarchie bei Ebola
Die WHO und die CDC empfehlen für Ebola-ETCs ein vollständig körperbedeckendes PSA-System Level D+:
Mindest-PSA für Hochrisikoumgebungen
- Doppelte Handschuhe (äußere nitrile, innere lose passende)
- Flüssigkeitsbeständige Schürze oder Overall
- Stiefel oder Überschuhe
- Gesichtsschutz (Brille + Gesichtsschutz oder PAPR)
- N95- oder FFP2-Atemschutz (mindestens)
Erweiterte PSA für besonders gefährliche Eingriffe
Bei aerosolbildenden Verfahren (Intubation, Bronchoskopie): PAPR (gebläseunterstützte Atemschutzausrüstung) bevorzugt gegenüber N95.
Anziehen (Donning) und Ablegen (Doffing): Die kritischen Momente
Anziehreihenfolge
- Händedesinfektion
- Einheitliche Kleidung und Stiefel
- Innere Handschuhe
- Overall
- Gesichtsschutz/Brille und Atemschutz
- Schürze
- Äußere Handschuhe
- Visuelle Kontrolle durch Beobachter
Ablegens-Protokoll (kritischer)
Das Ablegen kontaminierter PSA ist die gefährlichste Phase:
- Desinfektion der äußeren Handschuhe vor allem anderen
- Schürze abnehmen (nach außen rollen, nicht ziehen)
- Erneute Handdesinfektion
- Gesichtsschutz abnehmen (von hinten, nicht vorne greifen)
- Overall ausziehen (nach innen rollen)
- Innere Handschuhe ausziehen
- Finale Handdesinfektion
Entscheidend: Jeder Schritt erfordert einen ausgebildeten Beobachter, der auf Kontaminationen hinweist.
Hochrisikoverfahren und Sonderprotokolle
Nadelstichverletzungen
Sofortige Maßnahmen:
- Wunde bluten lassen (nicht quetschen)
- Mit Seife und Wasser waschen (5 Minuten)
- Desinfektionsmittel auftragen
- Sofort Expositionsereignis melden
- Risikoeinschätzung und ggf. Postexpositionsprophylaxe
Sichere Blutentnahme
- Mindestens zwei Personen
- Nadelentsorgungsbehälter in unmittelbarer Reichweite
- Keine Wiederaufsetzen von Nadelkappen
Umgebungsinfektionskontrolle
Flächendesinfektion
- 0,5% Natriumhypochlorit-Lösung für kontaminierte Flächen
- Regelmäßige Desinfektion von Böden, Arbeitsflächen, Geräten
- Alle persönlichen Gegenstände des Patienten als potenziell kontaminiert behandeln
Abfallentsorgung
Alle Abfälle aus dem Patientenbereich müssen als Kategorie A-Infektionsabfall behandelt werden — Verbrennung bevorzugt.
Quellen: WHO IPC Guidance for Ebola ETCs (2021); CDC PPE Guidance for Ebola (2020); MSF Ebola Field Manual (2019).