Virales hämorrhagisches Fieber: Was es ist und warum Ebola Blutungen verursacht
Virales hämorrhagisches Fieber (VHF) beschreibt ein klinisches Syndrom aus Fieber und abnormaler Blutung. Dieser Artikel erklärt die Biologie von VHF, warum Ebola und andere Filoviren es verursachen und welche anderen Viren dazu gehören.
Was ist virales hämorrhagisches Fieber?
Virales hämorrhagisches Fieber (VHF) ist keine einzelne Krankheit — es ist ein klinisches Syndrom, das eine schwere Erkrankung durch verschiedene Virusfamilien beschreibt:
- Fieber — hoch, oft plötzlicher Beginn
- Hämorrhagie (Blutung) — aus mehreren Stellen, durch gestörte Gerinnung und Gefäßschäden
- Mehrorganbefall — mehrere Körpersysteme betroffen
- Hohe Fallsterblichkeitsraten — von ~5% (manche Arenaviren) bis 90% (Ebola-Zaire-Stamm)
Der Begriff “hämorrhagisch” ist etwas irreführend: Obwohl Blutungen charakteristisch sind, sind sie nicht immer die Haupttodesursache. Das kritische pathologische Merkmal ist vaskuläre Dysfunktion — der Abbau der Integrität der Blutgefäßwand — was zu Flüssigkeitsaustritt, Schock und Multiorganversagen führt.
Welche Viren verursachen VHF?
VHF wird durch vier Virusfamilien verursacht, alle RNA-Viren:
1. Filoviridae (Fadenviren)
- Ebolavirus: Fünf Spezies (Zaire, Sudan, Bundibugyo, Taï Forest, Reston)
- Marburgvirus: Eng verwandt mit Ebola, ähnliche Erkrankung, CFR bis 88%
Geografisches Verbreitungsgebiet: Subsahara-Afrika
2. Arenaviridae
- Lassafieber (Alte Welt): Westafrika. 300.000–500.000 geschätzte Fälle pro Jahr
- Junin, Machupo (Neue Welt, Südamerika): Begrenzte geografische Verbreitung
3. Bunyaviridae (jetzt in mehrere Familien unterteilt)
- Krim-Kongo-Hämorrhagisches Fieber (CCHF): Zeckenübertragen; Afrika, Naher Osten, Osteuropa
- Rifttalfieber (RVF): Subsahara-Afrika, Arabische Halbinsel
4. Flaviviridae
- Gelbfieber: Afrika und Südamerika; durch Mücken übertragen. Durch Impfung verhindert
- Dengue-Hämorrhagisches Fieber: Tropische Regionen weltweit; durch Mücken übertragen
Die Biologie der Hämorrhagie bei VHF
Endothelschädigung
Blutgefäße sind von einer einzelnen Schicht aus Endothelzellen ausgekleidet. VHF-Viren — insbesondere Filoviren — infizieren diese Zellen direkt oder schädigen sie indirekt durch Zytokine:
- Vaskuläre Permeabilität erhöht sich: Flüssigkeit tritt aus dem Blut in Gewebe aus
- Die Gerinnungsbalance verschiebt sich in Richtung pro-koagulantem Zustand
Disseminierte intravasale Koagulopathie (DIC)
Bei schwerem VHF wird DIC ausgelöst — gleichzeitige Aktivierung der Gerinnungswege im gesamten Gefäßsystem:
- Weitverbreitete Mikro-Thromben bilden sich
- Gerinnungsfaktoren und Thrombozyten werden schneller verbraucht als die Leber sie ersetzen kann
- Sobald Gerinnungsfaktoren erschöpft sind, kann das Blut gar nicht mehr gerinnen
Thrombozytopenie (niedriger Thrombozytenspiegel)
VHF-Viren verursachen häufig erhebliche Abfälle der Thrombozytenzahl, was selbst bei kleinen Verletzungen zu anhaltenden Blutungen führt.
Quellen: WHO Viral Hemorrhagic Fevers Fact Sheet; Bray & Geisbert, Nature Reviews Microbiology (2005); Feldmann & Geisbert, Lancet (2011).